Mathias Täge – Bericht von meinem Besuch im ersten Energie/Wärme autarken Dorf Feldheim

Alle  streiten sich ideologisch über die Energiewende. Da aber Piraten eher  dazu neigen Faktenbasiert zu diskutieren und Feldheim in meinem  Wahlkreis 60 liegt, habe ich die Gunst genutzt und das Dorf besichtigt.
Mal zu den Eckdaten:
Im Ort sind 55 Windräder, die eine elektrische Leistung von 123 MW und eine jährliche Leistung von 250 Mio. KWh erzeugen.
Des weiteren gibt es eine Biogasanlage mit einer Leistung von 526 kW, die auf 500 kW gedrosselt wurde. Diese erzeugt 4 Mio kW Strom und 2,275 Mio kW Wärme.
Was  diesen Ort aber so einzigartig macht ist, dass die Bürger ein eigenes  Strom- und Wärmenetz aufgebaut haben, und damit selber unabhängig sind.
Für  das eigene Stromnetz war eine Investition von 450.000 € erforderlich,  oder 1.500 € pro Bürger. Diese Mittel wurden ohne Förderung, nur aus  Eigenmitteln finanziert. Und das hat sich richtig gelohnt. Die Bürger  zahlen nun nur noch 5,95€ Gebühr/Monat und 16,5 Cent pro KWh Strom, den sie verbrauchen und das auf 10 Jahre fest.
Für die Investition in ein eigenes Nahwärmenetz waren Kosten von 1,725 Mio  € nötig, die teilweise vom Land kofinanziert wurden. Gespeist wird es  von der Biogasanlage, die dann im Winter über eine Hackschnitzelanlage  ergänzt wird. Biogas- und Hackschnitzelanlage betreibt die hiesige  Agrargenossenschaft. Die Kosten für die Bürger belaufen sich auf 1,50 € monatliche  Gebühr und 7,5 Cent je kWh für die Heizung. Ergebnis: Ersparnis von  160.000 l Heizöl, die das Dorf sonst immer für Heizung/Warmwasser  benötigt hätte.
Die neueste Errungenschaft im Ort ist das regionale Regelkraftwerk. Dieses kostete 12 Mio. €, wovon 7 Mio. von dem Energieerzeuger und 5 Mio vom Land kamen. Das regionale Regelkraftwerk hat eine Leistung von 10 MW,  speichert die überschüssige Windenergie aus dem Windpark in 3.300  Lithium-Ionen-Batterien und kann sie im Millisektakt an das  Regionalstromnetz abgegeben. Dieses Regelkraftwerk kann  Stromschwankungen für halb Ostdeutschland bis zu 30 Min abfangen, ehe  dann Vattenfall einspringt. Dieses Kraftwerk ist ein Forschungsprojekt  und derzeit einmalig in Europa. Es zeigt sehr eindrucksvoll, wie der  derzeitige Forschungsstand in Sachen kurzfristiger Speichertechnologien  für Erneuerbare Energien ist.

Im Ort wird der Speicher an sich  nicht benötigt, da der regelmäßige Strom entweder von den Windrädern,  oder von der Biogasanlage kommt. Beide sorgen -in Kombination mit dem  lokalem Regelwerk- dafür, dass die Bürger durch ihr Strom/Wärmenetz  immer ausreichend versorgt werden.

                                                  

Mein Fazit des heutigen Tages:

Die  Energiewende ist durchaus möglich. Das Grundproblem ist die Akzeptanz  der Bürger. Wenn die Bürger mitgenommen werden und -wie in dem Fall-  auch noch kostengünstig vom Energieerzeuger versorgt werden, dann hat  man auch deren Zustimmung. Transparenz, Mitbestimmung und werben für die  Akzeptanz. Dann klappt es nicht nur im kleinen Feldheim mit der  Energiewende.

    

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