Werden wir in oder mit der „Blütentherme“ baden gehen …?

Mit dieser Frage brachte es ein Bürger bei der Präsentation der „neuen“ Blütentherme durch die Stadt Werder (Havel) am 07.Juni 2018 zu später Stunde auf den Punkt.
Im Einzelnen:

Die Stadt (Werder) hatte kurzfristig zur Präsentation der „neuen“ Blütentherme, welche zukünftig „Havel-Therme“ heißen soll, geladen und viele Hundert Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung auf die Bismarckhöhe.  Der Informationsbedarf war groß, so wollten die Bürger wissen, wie es  mit der Blütentherme weitergeht und für was der von der  Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich beschlossenen Betrag von rund  30 Mio. Euro in den nächsten zwei Jahren eingesetzt werden soll.

Die  Veranstaltung war von der Stadt auf zwei Stunden angesetzt. In der ersten Stunde wurde das Projekt vorgestellt, in der zweiten Stunden konnten Fragen gestellt werden.

Nach einem einleitenden Statement der Bürgermeisterin Frau Saß und Vorstellung des „besten Bieters“  im Vergabeverfahren, der Fa. Schauer & Co GmbH, bekam Herr Andreas  Schauer das Wort. Er verwies zunächst auf vier fertig gestellte bzw. von ihm betriebene Projekte, das aquabasilea in der Schweiz, die Saarland Therme Bad Richlingen, die Solymar Therme in Bad Mergentheim und das Liquidrom in Berlin. Zumindest bei den letztgenannten drei Projekten ist Herr Schauer wohl als Geschäftsführer tätig wie dem  jeweiligen Impressum zu ersehen ist.

Herr Schauer gab sinngemäß zur Kenntnis, dass ihm der bisherige Name „Blütentherme“  nicht gefalle, dieser Name werde zu stark mit dem bisherigen Desaster verbunden. Im weiteren Verlauf präsentierte Herr Schauer Einzelheiten des geplanten „neuen“ Projektes, u.a. auch Einzelheiten zur -sehr moderaten- Preisgestaltung.

Der Präsentation durch Herrn Schauer folgte die Bestätigung der Wirtschaftlichkeit durch einen der Geschäftsführer der Profund Consult AG, Herrn Paul Oppermann. Herr Oppermann  betonte, dass seine Firma unabhängig arbeite und verwies immer wieder  auf die herausragende Arbeit der Firma Schauer bei bisherigen Projekten.  Die geplante „neue“ Therme sei aus seiner Sicht wirtschaftlich und mit der Fa. Schauer ein erfahrener Betreiber gegeben.

Nach der Vorstellung des Projektes konnten die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Die Fragen der Bürger bezogen sich auf die Wirtschaftlichkeit (welche angezweifelt wurde), die mangelnde Genehmigungsfähigkeit der Seesauna  wie aber auch zum Untergrund (Boden) des Projektes insgesamt. Weiterhin  wurden Fragen zur Verkehrs- und Parkplatzsituation im Bereich der Blütentherme gestellt. Letztlich interessierte die Bürger die angedachte Preisgestaltung der „neuen“ Therme. Auch wurde Zweifel an der Unabhängigkeit der Profund Consult AG geäußert.

Die Bürgermeisterin Frau Saß und Herr Schauer verwiesen darauf, dass das Risiko für die Stadt begrenzt sei. Betreiber soll die Firma von Herrn  Schauer werden, sie soll einen Pachtvertrag für 30 Jahre erhalten. Eigentümer der „Blütentherme“ werde die Stadt Werder (Havel) bleiben. Dadurch sei für die Stadt kein Risiko  gegeben. Ganz so einfach erscheint mir die Haftungsfreistellung aber dann doch nicht. Im Falle einer etwaigen Insolvenz des Betreibers dürfte durchaus ein Risiko für die Stadt bestehen.

Die Preise der Therme wurden von Herrn Schauer konkret benannt. Sie sind als sehr moderat einzustufen. Ob diese Preise lange zu halten sein werden, darf allerdings bezweifelt werden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich so eine Therme wirtschaftlich betreiben lässt. Von einer „Preisgarantie“ für einen bestimmten Zeitraum habe ich auch nichts gehört.

Spannend  fand ich, dass die Firma Schauer die Therme notfalls auch ohne Seesauna  betreiben will. Dies dürfte die Wirtschaftlichkeit der Therme deutlich reduzieren.
Spannend wird sicherlich auch der Inhalt des von der Stadt bislang nicht öffentlich gemachten  Bodengutachtens werden.

Ob  das angestrebte Projekt am Ende mit der heutigen Präsentation im Einklang steht,  bleibt abzuwarten. Hieran können Zweifel aufkommen, wenn man sich beispielsweise einmal die Bewertungen der Besucher nach einem Aufenthalt im Liquidrom in Berlin im Internet anschaut. Neben vielen positiven Bewertungen findet sich dort auch recht heftige Kritik.

Positiv wird vom heutigen Abend in Erinnerung bleiben, dass die Stadt den Dialog mit den Bürgern gesucht hat. Von frühzeitiger, umfassender Bürgerbeteiligung ist die Stadt aber noch weit entfernt.
Eine eindeutige Stimmung im Publikum „Pro“ oder „Kontra“ „Havel-Therme“  war nicht auszumachen. Am Ende blieben viele Fragen der Bürger offen.  
Die Diskussion in der Stadt wird, nicht zuletzt auch durch das von den StadtMitGestaltern angestoßene Bürgerbegehren, über den heutigen Tag hinaus weitergehen.

Andreas Schramm


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